Domaine Pierre Gerbais, Côte des Bar
- Laurenz Möseler

- 8. Jan. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. März
Ist Champagne gleich Champagne? Warum verweist Aurélien Gerbais bei den Weinen seiner Familie auf einen burgundischen Einfluss? Eine Inspiration? Viel mehr als das!

© Michel Joly
Domaine Gerbais liegt in Celles-sur-Ource, einer Gemeinde an der Côte des Bar, der südlichsten Region der Champagne, die für viele noch ein bissl unterm Radar fliegt, jedoch mehr und mehr große Winzertalente zeigt - besonders im biodyn+ Bereich!
Die Côte des Bar wurde früher eher mit dem Burgund assoziiert. Kaum wunderlich, wenn man sich eine Karte ansieht, merkt man: Die Entfernung zum Rest der Champagne gleicht der zur burgundischen Côte de Nuits. Tatsächlich grenzt die Côte des Bar direkt an das Châtillonais, einen nördlichen Ausläufer Burgunds, östlich dem Chablis, bekannt für die Produktion von kalkdominierten Crémant de Bourgogne. Die von Grund auf unterschiedliche Bodenkomposition der Gegend prägt auch die Weingärten des Hauses Gerbais. Wenn Aurélien selbst von den Kimmeridge-Era-Kalkböden der Gegend spricht, fallen auch die Vergleiche "Chablis" und "Sancerre".

©Michel Joly
Diesem Muster folgend werden die verschiedenen Parzellen der Domaine nach burgundischem Vorbild seperat vinifiziert. Mit 18 Hektar auf teils von Lehm geprägten, teils sehr kargen Kalkböden arbeitet die Domaine seit den 1990er Jahren biologisch zertifiziert. Hier findet man alte Reben von Chardonnay, Pinot Noir und Meunier, sowie einem weiteren Merkmal Gerbais': dem Pinot Blanc, welcher nur zu 80 Hektar in der Champagne vertreten ist und hier, mit einem uralten Weingarten aus dem Jahr 1904 eine Hauptrolle spielt.
Nachwuchs-Vigneron Aurélien ist, wie sein Vater Pascal, Verfechter der Puristik. Seine Stilistik ist sicherlich nochmal mehr von den burgundischen Meistern geprägt. Nach seiner Ausbildung in Beaune lernte er unter anderem viel von Olivier Lamy. Alle Weine werden in Edelstahltanks vergoren, sowie ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Im Keller wird aktiv und zukunftsorientiert experimentiert, von Gärung in Holzfässern bis zur Mazeration! Seit 2011 gibt es ein Solera-System für Reserven aus jeder Lage, diese sind also alle Non Vintage, zirka 50% Reserve. Auch Schwefelbeigabe wird auf ein Minimum reduziert. Die Domaine ist klar von Prinzipien der minimalen Intervention inspiriert, im Stil allerdings zeitlos und voll dem Terroir hingegeben.
©Michaël Boudot
Mit den neuen Jahrgängen wurde der Fokus von einer rebsortenorientierten Cuveétierung auf 100% Lage gelenkt. Diese Lagenabfüllungen sind nun allerdings auch reinsortig. Ultra pure. ;)
Fünf individuelle Lieux-dits aus Celles-sur-Ource bilden hier den Kern, die Etiketten der Weine zeigen verspielte Zeichnungen der jeweiligen Lage.
La Loge. Blanc de Blanc. Pinot Blanc, Cépage Oublié. Ein Stück Champagne-Geschichte mit burgundischem Flair.
Beauregard. Rosé de Saignée. 100% mazerierter Pinot Noir, ohne Stillweinbeigabe.
Les Grandes Côtes. Blanc de Noir. Pinot Noir in weißem Gewand.
Champ Viole. Blanc de Blanc. Chardonnay. Präzise, schlank, salin.
Bochot. Blanc de Noir. 100% Pinot Meunier, eine weitere Rarität. Die Reserve geht hier nur bis 2016 zurück, weil der Weingarten erst 2010 in selection massale bepflanzt wurde.
Wer sich noch nicht entscheiden will, startet bei der Basislinie Grains de Celles. Hier füllt Gerbais einen Blanc de Blanc und einen Rosé ab, beides sind Assemblagen aus Pinot Noir (50%), Chardonnay und Pinot Blanc (jeweils 25%) der verschiedenen Weingärten. 30 Monate auf der Hefe. Extra Brut, wie alles andere auch.
Nase voll von Schaumwein? Gerbais vinfizieren auch Stillweine im Rahmen der Apellation Coteaux Champenois. Rebsorten und Lagen wechseln hier gerne mal. Momentan gibt's Chardonnay und Pinot Noir, natürlich aus dem Stahl. Stilistisch irgendwo zwischen Champagne und Chablis.
Abschließend noch ein Geheimtipp... Mit der Cuvée Experimentale tobt sich Aurélien jedes Jahr ein bisschen aus. Die Nummerierung der Abfüllung richtet sich nach dem Jahrgang des Weins.
Momentan gibt es mit der N°21 eine Abfüllung rein aus Pressmost von 50/50 Pinot Blanc und Chardonnay. Genannt "Taille" wird der letztere Teil der Saftextraktion weniger gerne genützt (oft in die Basis verschnitten), er verfügt über weniger Säure, dafür logischerweise mehr Frucht und Gerbstoff, sowie auch Mineralien. Im Glas zeigt sich das beeindruckend klar. Hyperaromatisch, floral duftend, mit einer intensiven Honig Note. Gleichzeitig viel karger Kalkstein. Die Nase hat fast Anklänge von Leithaberg Pinot Blanc, oder einem kalkigem Riesling. Am Gaumen dann schon sehr fein und karg, kaum Frucht, eher die verspielte Duftigkeit die diese beiden Burgundersorten gerne abgeben - mit etwas mehr Maische sowieso. Zitrischer Zug am Finish. Trinkt sich jetzt bereits on Point.









