Fabien Jouves/ Mas del Périé, Cahors
- Laurenz Möseler

- 25. Feb.
- 5 Min. Lesezeit
Sud Ouest, Frankreich
©Guillaume Mirand
Das Mas del Périé wurde 2006 von Fabien Jouves gegründet. Nach seiner Ausbildung im Bordeaux übernahm der Winzersohn das kleine Familienweingut in Südwestfrankreich, also in der Weinbauregion Sud Ouest. Genauer gesagt finden wir uns im Cahors, zwischen Bordeaux und dem Zentralmassiv. Die Landschaft ist durch den Fluss Lot geprägt, der hier stark mäandriert und so die Halbinsel auf der Cahors heute steht, sowie deren tiefe Terrassen in den Fels gemeißelt hat. Weinbau findet man auf diesen sandigen Kiesterrassen, aber auch am kalkdominierten Hochplateau, dem Causse (bis zu 400 m.ü.m). Im Sommer ist es hier sehr heiß, im Winter feucht, oft mit Frostgefahr, gerade in den höheren Lagen. Im Gegenteil zum Bordelais ist hier der Einfluss des Mittelmeeres zu spüren.
Die wichtigste Rebsorte des Cahors ist der Malbec, hier Côt genannt. Der experimentierfreudige Fabien baut aber auch viele alte autochthone Rebsorten an, z.B. Gros und Petit Manseng, Jurancon Noir, Gibert, Noual und sogar Muscat d'Alexandrie (siehe Zibibbo). Die Weinberge befinden sich eben in den südlichen Hochlagen von Cahors, dem Causse, geprägt von kargem Kalkstein und Mergel.
©Guillaume Mirand
Am Mas del Périé wird aus Überzeugung nach biodynamischen Prinzipen gearbeitet, das Weingut ist Mitgleid bei Biodyvin und Demeter. Weinbereitung erfolgt ohne önologische Zusätze, mit minimaler Intervention, sanftem und eher kurzem Maischekontakt, oft Ganztrauben-Mazeration. Ausgebaut wird in Beton, Amphoren und eher größeren, älteren Eichenfässern. Keine Filtration, niedrige SO2 Dosage. Im Fokus der Elevage stehen voll und ganz die Traube und das Terroir. Aber auch ein gewisser Spaßfaktor. Fabiens Stil hat einen revolutionären Ruf in der französischen Winzerwelt. Er macht nämlich Weine mit so feiner Struktur dass man sie unwissend unmöglich ins Cahors verorten würde, gerade beim Malbec schafft es Fabien mit seinen Höhenlagen eine Leichtigkeit in den Wein zu bringen, ohne an Tiefe und Komplexität zu verlieren. So sind das Weine die nicht nur dem aktuellen Zeitgeist der Weinwelt folgen, sondern ihn ganz vorne mitgestalten.Wir freuen uns sehr, euch diese vorzustellen. Es folgt ein rundown!
©Guillaume Mirand
Fabien nennt seine erste Linie “Durstweine”, sehr süffige, leichtere Weine, super trinkfreudig, einfach glou glou. So entstehen:
Somnan'Bulle Blanc (Pet Nat)
Semillon, Chardonnay, Petit und Gros Manseng. Das ist Fabiens Schaumwein. ein Pet Nat, also Pétillant Naturel, wo der noch gärende Most auf die Flasche abgefüllt wird und dort seine primäre Gärung vollendet. Da ab diesem Schritt keine Gärkohlensäure mehr entweichen kann, integriert sie sich in den Wein. Das Resultat ist immer eine Spur feinperliger, aromatischer, oft etwas wilder. Fabien tendiert schon in eine seriösere Richtung, gärt teils auch im Beton und Holz an, und gibt dem fertig vergorenen Wein noch mindestens 6 Monate auf seiner Hefe, pre-degorgement. Das kann er gut ab, strotzt nämlich ohnehin von fülliger dunkelgelber Frucht und Kräuterigkeit. Alljahresgetränk.
Les Agudes
Cuvée von Colombard und Sauvignon Blanc. Der runde, trinkige Colombard kommt durch, Frische vom Sauvignon dazu. Ausbau im Beton, direkt gepresst, niedriger Alkohol, trotzdem expressiv aromatisch, Fabien schafft schon hier diesen Mittelweg, für den er legendär ist. Fabien: "La cuvée essentielle à toujours avoir dans son frigo."
Skin Contact
Gros Manseng, Ugni Blanc, Muscat d'Alexandrie. Dieser Verschnitt historischer Rebsorten eignet sich ideal für eine leichte Mazeration, somit ist das Fabiens neuer Einstieg in die Welt des Orange Weins. Nach einem behutsamen Maischekontakt über einen Monat im Stahltank wird der Spaß bald abgefüllt, um Frische und Aromatik zu behalten. Viel Orange, die Frucht, diese fülligere, wärmere Note, ohne schwer zu sein. Eine Spur runder als radikalere Kollegen aus dem Norden, passt darum auch super zu schärferer (zB. mediterraner und asiatischer) Küche.
Sowie in Rot:
Tu Vin Plus Aux Soirées
Ein blend von Malbec mit Gamay und Syrah. Der Wein ist eine Assemblage älterer Parzellen auf Mergelböden. Maischekontakt wird auf nur 7 Tage beschränkt, Ausbau im Beton. Dadurch ist der Fokus klar auf der Frucht und den würzigen Noten dieser drei südländischen Rebsorten. Eher etwas heller und charmanter. 11.5%!
YFMW
= you fuck my wine?! - Siehe Scorceses "Raging Bull" mit Robert de Niro. Das Etikett zeigt worauf man sich einlässt (2 Flaschen in kreativen Lagerungspositionen).
Malbec, Jurancon Noir, Gibert, Valdiguié. Alles autochthone Rebsorten des Sud-Ouest. Ganztraubengärung, Ausbau 6 Monate im Beton mit Fokus auf Frische. Der Wein ist laut und expressiv, nimmt sich aber nicht zu ernst. Ein Maul voll Kirsche, auch viel dunkle Beeren, etwas würziges, alles sehr primär.
... und dann gibt es die Lagenweine. Da wird es, mit Ausnahmen wie dem fruchtig wilden autochthonen Mischsatz "Autochtones" schon etwas ernster!
Chenin Blanc "Les Pieces Longues"
Diese Chenin Blanc Parzelle hat Fabien selbst vor 20 Jahren auf dem kargen Causse ausgepflanzt. Die Rebstöcke hat er an der Loire selektiert. Der Chenin wird hier schön reif und etwas mehr wärmeverwöhnt, dadurch zeigt er sich auch mit fülligerer, reifer gelber Frucht. Kernobst, auch tropische Anklänge, man darf sich das ganze recht dunkelgelb vorstellen. Auch Hefelager spielt eine Rolle, während für ein Jahr in Fuder und Barrique ausgebaut wird. Spannend sowohl für Chenin-Freaks als auch für jene die's etwas runder und voller mögen. 12.5%.
Orange Voilée
Eine mazerierte Version von Fabiens Chenin Blanc. Von den gleichen Kalkplateaus gelesen, werden diese Trauben entrappt und deren Beeren in der 800l Amphore vergoren. Und ausgebaut. Bis zur Abfüllung wird da ziemlich wenig bewegt, auch die Maische bleibt über das gesamte Jahr im Behälter. Durch die sanfte Mazeration wird das allerdings nie übermäßig stoffig oder würzig. Viel reife Frucht, Kernobst, Quitte, sonst schon wilder und würziger als der Weiße, ohne an Trinkfluss zu verlieren.
Haut Berba
Petit und Gros Manseng von einer alten Parzelle im Jurancon. Achtung, wir sind hier zwar noch im Sud-Ouest, allerdings noch mehr als 200km sud-ouestlicher (haha), Nahe Irouleguy im Baskenland und somit am Fuße der Pyrenäen. Fabien vinifiziert hier einen Hektar eines guten Freundes (Vincent Maysounave), die dessen Vater hier vor 40 Jahres ausgepflanzt hatte. Im Boden finden wir kalkig lehmigen Schotter. Die von Kraft strotzenden, vollreifen Trauben werden gleich als Ganztrauben gepresst und in Stahl vergoren, bevor ruhig über 2 Jahre im Eichenfass ausgebaut wird. Gänzlich schwefelfrei und in seiner etwas wilderen (aber blitzblank sauberen!) Art erinnert das ans Anjou, mit der Fülle und Tiefe, aber auch dem salzigen Säurenerv.
in Rot:
Autochtones
Jurancon Noir, Gibert, Valdiguié, Noual.
Vergoren teils whole bunch, mit 2 Wochen sanftem Maischekontakt. Das ist nicht extrem kurz, aber auch wirklich nicht lang. Ausbau über ein Jahr im 500l Eichenfass.
Ein Waldbeerenmix, von rot und sauer bis schwarz und stoffig, mit einem würzigen, blumigen Pfefferl und auch etwas Rückgrat durch den Ausbau. Mit nur 9.5% Alkohol ist die Autochtones eigentlich nie eine schlechte Idee, als Pairing mit würzigem/bitterem Gemüse (Artischoke, Chicorée) eine Offenbarung.
Malbec "La Roque"
Malbec mit 11,5 vol.%! Das ist ein Intro in die fabelhafte Welt von Fabiens Côt. Eine ältere Parzelle auf teils etwas fruchtigerem Boden, in 350 Meter Metern Höhe. Maischegärung für einen Monat entrappt im Betontank, ein eher neutrales Gebinde mit minimalem Sauerstoffaustausch. Nach einem halben Jahr wird direkt abgefüllt. Das ist Fabiens leichtester Malbec, mit dem noch größten Fokus auf Primärfrucht, aber auch den typischen dunkleren, würzigeren Noten der Rebsorte, leicht grapefruitig, aschig, rauchig. Superfeiner Gerbstoff, animierende Säure.
Malbec "Les Acacias"
Eine alte Parzelle auf einem eisenhaltigen Kalkplateau. Hier zeigt sich der Malbec schon etwas seriöser und robuster, behält aber gekonnt eine Balance mit dem verspielteren, duftigen Stil von Fabien und seinen kargen Lagen. Archetypisch Malbec,eine Rebsorte die man mal probiert haben muss, dunkelfruchtig, rustikal würzig, ohne fett oder breit zu sein. Und alldas mit 11.5%!
Malbec "B763"
"Bloc 763" wurde Fabiens älteste Parzelle getauft. Im Topsegment ist uns Pragmatismus sehr sympathisch. Das ist Wein mit Substanz und Herz, der, selbstbewusst aber ohne Lärm für die etwas eigene, aber eben doch authentische Interpretation von Fabiens Malbec steht. Eisenhaltiger Kalkstein auf einem Hochplateau, über 50 Jahre alter Malbec, dessen Trauben entrappt über einen Monat im Betonei gären. Nach drei Monaten wird ins Fuder umgefüllt, nach einem Jahr wird abgefüllt. Zwar bleibt der Wein bei nur 11.5% Alkohol, Fülle hat er jedoch allemal, auch Reifepotenzial ist hier klar gegeben. Mit gut Luft zeigt er sich in der Jugend schon spielerisch parfümiert, viel Sauerkirsche und Brombeere, alles schön erdig würzig, mit ordentlich Biss.
Von uns im Pub Klemo nach Österreich importiert. Santé!

©Guillaume Mirand

















