Domaine Eleni & Edouard Vocoret
- Laurenz Möseler

- 13. Juni 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Feb.
Wir befinden uns im Chablis, dem Hybrid zwischen dem Burgund und der Champagne. Beste Lagen von Kimmeridge Kalkstein und lehmigem Mergel, hier und da zeigt sich die Kreide der Champagne.

Der Keller des kleinen Top-Weinguts Eleni & Edouard Vocoret liegt am südlicheren Ende des kleinen, aber feinen Weinbaugebiets, unfern Chichée. Edouard ist als Nachwuchs der Domaine Vocoret gebürtiger Chablisianer.
Nach Studium und Arbeit im Familienbetrieb verschlägt es ihn ins Ausland, genauer gesagt nach Neuseeland, wo er 2010 auf Eleni trifft, die ihn zurück nach Chablis begleitet.
Eleni ist Deutsch-Griechin mit österreichischem Wein-Marketing-Studium. Berufliche Erfahrung und Inspiration konnte sie bei Alwin Jurtschitsch im Kamptal und bei legendären Winzern des Chablis, wie Vincent Dauvissat sammeln.

Mit 2013 beginnt die Domaine Eleni et Edouard Vocoret: Auf 5 Hektar der elterlichen Weinberge wirtschaften die beiden seither nach ihren eigenen Vorstellungen.
Das bedeutet: Naturnahe Bewirtschaftung und Vinifikation, und das mit besten Lagen und alten Rebstöcken, wie etwa in der kalklastigen 1er Cru Les Butteaux, wovon die Domaine nur ein Drittel eines Hektars ihr Eigen nennen.
Im Weingarten arbeiten Eleni und Edouard ausschließlich händisch, die beiden kennen und verstehen ihre Lagen bis ins kleinste Detail, ein klarer Bonus der begrenzten Bewirtschaftungsfläche.
Auch die Biodiversität der Weingärten wird, z.B. durch Pflanzungen von Obstbäumen gefördert.
Biodynamische Prinzipien (ohne Zertifizierung) finden auch ihren Weg in den Weinkeller: Spontanvergärung mit malolaktischer Gärung (BSA) erfolgt im Stahltank. No Make-up, nennt es Edouard.
Die resultierenden, puristischen Weine sehen nur alte, neutralere Holzfässer oder Edelstahl, um den Charakter der alten Reben in ihrer Spannung und Mineralik 1:1 wiederzuspiegeln.
Auf die Flasche kommen die Weine unfiltriert und minimal geschwefelt.
Die Weine der Domaine bilden Bas de Chapelot, En Boucheran, Les Pargues und 1er Les Butteaux.
*Update:* In 2023 hat Edouard weitere 5 Hektar vom Familienweingut übernommen, von 1er bis Grands Crus. Darunter Les Forets, Montee de Tonnere, Chataigne, Sechet (1ers) und Blanchots, Valmur, Les Clos (Grands Crus).
Bas de Chapelot
Einen Steinwurf von der namensgebenden Kleinstadt Chablis im Herzen der Region findet sich die Hauptlage der Domaine. Die Bas de Chapelot liegt am Fuße der Toplage Montée de Tonnerre, auf der rechten Seite des Serein Flusses, welcher Chablis zweiteilt.
Tiefer, lehmiger Muschelkalk definiert diese kühle, flussnahe Lage, aus welcher die 40 Jahre alten Rebstöcke Elenis und Edouards sehr würzige, floral duftende und mineralische Weine mit straffer Säurestruktur erbringen.
En Boucheran
Auf 0,9 ha zwischen den beiden Premier Crus Vaillons und Montmains wächst der von weißem Lehm geprägte Boucheran. 35 Jahre alte Reben, ein offener, aromatischer, strukturierter Chablis mit einem wunderbar trinkanimierenden Hefe-Salzspiel.
Les Pargues
Eine weitere Mikrolage Vocoret's am Südende des Chablis, neben Montmains und der berühmten 1er Cru Forets. Mergelige Steillage, Terroir pur, stählern, karger als die anderen Villages. Sehr zurückhaltend, performt dieser Wein mit etwas Reife sogar noch besser. Markante, zitrische Säure, fein gelbfruchtig.
Les Butteaux 1er
Edouards Herzenslage: Eine winzige 1er Cru Lage unter der berühmten Fôrets. Tiefer mineralstoffreicher Kalkstein. 60 Jahre alte Reben, massale Selektion.
Feine kräuterige, florale Noten, Salzzitrone und diese Hefe-Cremigkeit tänzeln umher, vom Ausbau im gebrauchten Holzfass nur ein wenig in die richtige Richtung gewiesen. Ein großer Terroirwein. Intensiv und langanhaltend. Zeit, Luft, auch mit der Temperatur darf man sich spielen!
Les Fôrets 1er
Oder Foret, oder La Forest, oder... - wir sind im Montmains, über der Butteaux. Edouard hat hier zwei winzige Parzellen übernommen, alte Reben aus den 70ern und 80ern. Die Forets bringt einen vibrierenden, harmonischen Chablis, zwar mit großem Reifepotenzial aber bereits jetzt ein Gaumenschmaus. Achtung Hochspannung!
Châtains 1er
Vaillon Subriede. Dauvissat ist hier direkter Nachbar. Eine steile, sonnenverwöhnte Parzelle aus 1971. Die selektierten Reben tragen hier winzige Beeren, hochkonzentriert, wie der resultierende Wein, der in der Vocoret Stilistik immer straff und präzise bleibt.
Séchet 1er
Vaillons Subriede. Eine jüngst von der Familiendomäne übernommene Parzelle, 0.7 Hektar, gelber Mergel, 1962 ausgepflanzt. Ein fülligere Chablis Stilistik, mit einem drahtigen Säuregerüst.
Montée de Tonnere 1er
Ein Ausreißer. Rechtes Ufer, nahe an den Grand Cru Hängen von Blanchots und Les Clos. 0.8 Hektar Rebfläche, dünner Lehm auf kargem Kalkstein. Bilderbuchexposition gen Südost. Kühle Intensität, forciert durch einen sanften Ausbau auf der Feinhefe in Stahl und altem Holz.
Blanchot Grand Cru
Zwei winzige Parzellen, ein halber Hektar. Diese Lage ist stark östlich ausgerichtet und spielt voll auf Eleganz, Duft, Chardonnay in seiner feinsten Art, aber eben schon auch ultraseriös, mit Reifepotenzial und bedachtem Holzeinsatz.
Valmur Grand Cru
Die Kessellage Valmur gibt uns einen etwas robusteren, fülligeren Grand Cru. Cremig und kompakt, sehen wir hier großes Lagerpotenzial, dank Edouards Feingefühl mit Holzeinfluss ist der Wein allerdings auch jetzt schon schön zu trinken.
Les Clos Grand Cru
Die wohl renommierteste Grand Cru von Chablis und auch Edouards wichtigste. Drei Parzellen, Reben aus den 60ern von massaler Selektion und speziellen Klonen. Ein steiler, warmer Südhang. Ausbau in Stahl und größtenteils alten Fässern, um die Intensität der Lage klar zu zeigen.



