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Domaine Chantal Lescure - Terroir und Lage, Lage, Lage.


Nuits-Saint Georges, Clos de Vougeot, Vosne-Romanée, Pommard, Volnay - selbst fleißige Weintrinker:innen und/oder Lesemäuse sind schon zigmal über diese Begriffe gestolpert, ohne wirklich nachvollziehen zu können, was es mit dem berühmt-berüchtigt komplizierten burgunder Lagenklassifikationssystem auf sich hat. Reicht’s nicht einfach, wenn’s schmeckt?


Jein. Natürlich kann man’s hier, wie so oft im Thema Wein auch übertreiben und so sehr ins Details gehen, dass Normalsterbliche längst aussteigen. Wahrscheinlich ist es aber auch genau das, was unsereins so sehr am Wein begeistert: Die endlose Möglichkeit an MEHR Details, weiterer Vertiefung, Ausarbeitung minimaler Unterschiede zwischen einzelnen Lagen, Weingärten, Parzellen. Rebstöcken und der Erde, auf denen sie wachsen, und deren Symbiose. Das ist jetzt nichts, wenn nicht nerdy. Und das geben wir gerne zu. Es gibt einen Spruch in der Weinwelt, den wir sehr gern haben: Du wirst niemals alles über Wein wissen, und irgendjemand weiß immer mehr als du. Motivierend, oder? Aber infolgedessen darf man sich fragen: Warum eigentlich stressen, wenn’s so ein endloses Wissensgebiet ist? Muss ich eigentlich irgendetwas wirklich wissen? There it is. Nirvana.


Die Franzosen nehmen das ganze bekanntlich doch etwas ernster und so findet man sich inmitten eines scheinbaren Klassifizierungschaoses, welches auf den ersten Blick weit jenseits jeglicher Begreifbarkeit scheint. Aber der Schein trügt! “Burgund”, als solches, ist ein sehr weiter Begriff - Chablis, Châtilonnais, Challonais, Mâconnais, Beaujolais, - all diese Subregionen (und mehr!) fallen unter den Schirm Burgunds. Super spannend in ihren einzelnen Rollen (alle wahnsinnig divers!), können wir diese heute allerdings ruhig vergessen (mit dem Trostpflaster, dass diese Regionen in anderen Blogs erklärt werden!). Heute dreht sich alles um das Herzstück des Burgund: Die legendäre Cote D’Or, die “Goldküste”, Vereinigung der Côte de Nuits und der Côte de Beaune. So mancher Weinfan, der seinem Gaumen hierher folgt, findet nie den Weg zurück. Will er auch gar nicht. Hier, in einem nur 50 Kilometer langen, ein, zwei Kilometer breiten Landstrich südlich von Dijon liegt das Mekka der Weinwelt. Dieses Hügelgebiet von nur knapp 5000 Hektar verfügt über ein kühles Mikroklima, welches sich stark von den südlicheren Teilen des Burgunds diffenziert. Ausgepflanzt findet man nur eine kurze Liste an Rebsorten, davon mit Abstand am relevantesten sind zweifellos Chardonnay und Pinot Noir, king and queen of grapes. Dies lässt sich auf eine Verordnung der Fürstschaft Burgunds im 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Durch diesen Rebsortenextremismus kommt man schon fast einer Sortenunabhängigkeit in der Frage der Weinqualität näher... Unterschiede im Wein können strikt auf seinen Werdeprozess, vielleicht noch wichtiger und detailreicher jedoch auf sein Zuhause, sein Terroir reduziert werden.


Aber was genau ist Terroir? Das Zauberwort der Weinwelt ist wohl Schlüssel zum Verständnis der gesamten Region Burgunds, bzw. eigentlich allen herkunftsorientierten Weinmachens auf der ganzen Welt, welches sich vom Burgund inspiriert lassen hat. Das französische “Terroir” bedeutet wörtlich “Gegend”. In der Weinsprache verstehen wir Terroir als die Gesamtheit natürlicher Umgebung einer Rebe bzw. eines Weingartens. Hierbei achtet man auf Bodenkomposition, Klima, Wetter, Topografie - Hangausrichtungen mit Rücksicht auf Sonneneinfluss, etc. Jede Kleinigkeit also. Weil’s alles einen noch so minimalen Unterschied macht. Hier finden auch die fast 700 Premier und Grand Crus des Burgund ihre Existenzberechtigung.



So kommt es, dass auch die Domaine Chantal Lescure im Jahr 1975 ihren Ursprung in der Côte d’Or, genau gesagt in die Stadt Nuits-Saint-Georges im Herz der Côte de Nuits findet. Seit Chantals Tod in 1996 wird das Weingut von ihren Kindern geleitet und wird unter Kellermeister und nun auch Betriebsleiter François Chavériat in eine aufregende, zukunftsorientierte, minimalistische Richtung gewiesen: Auf 19 Hektar alter Reben von Pinot Noir und (ein bisschen) Chardonnay wird hier seit 2006 zertifiziert biologisch und mittlerweile auch biodynamisch gewirtschaftet. Von Chambolle-Musigny in der nördlichen Côte des Nuits bis Meursault an der Côte de Beaune (halbe Stunde im Auto).


Heute arbeiten neun Personen in der Domaine Chantal Lescure. Handarbeit ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Handlese in kleinen Kisten. Regulierte, langsame Spontangärung, keine Maischeschwefelung, schonender Transport durch Schwerkraft in den Keller. Ausbau für 14-15 Monate in größtenteils älteren Barriques (228l) und Tonneaux (500l). Unfiltriert und ungeschönt mit minimalem Schwefeleinsatz ruhen die einzelnen Lagenabfüllungen noch längere Zeit (rund 18 Monate) im historischen Weinkeller, bis sie endlich, mit Hochspannung auf den Markt kommen.



Die Côte d'Or umfasst die nördliche Côte de Nuits und die südliche Côte de Beaune.



Nun ein deep dive in die einzelnen Crus, Climats und Lagenverschnitte:


Beaune"Clos des Topes Bizot" Blanc/Rouge

In Rot und Weiß. Der einzige Weißwein der Domaine in unserem aktuellen Sortiment. Sein Preis vermittelt Einstiegswein, sensorisch tut sich da aber fast schon ein bisschen zu viel. In dem Climat “Clos de Topes Bizot” in der Beaune-Appelation, nahe der namensgebenden Stadt Beaune hat Domaine Lescure 1.3 Hektar Chardonnay (20 Jahre alte Reben) und

3 Hektar Pinot (60 Jahre alt). Steiniger, lehmiger Kalkboden. Fermentation und Ausbau in alten, neutraleren Barriques und Tonneaux. Extrem schön balanciert, feine Frische, würzig mit wahnsinnig eleganter Frucht, cremig aber weder fett, noch zu linear. 2021 schon jetzt toll.


Beaune AOC 1er Cru "Les Chouacheux"

Ebenfalls bei Beaune, aber am südlicheren Ende der Apellation, näher an Pommard. Das 1.5 Hektar große Climat “Les Chouacheux” ist als 1er Cru klassifiziert. Lescure teilt sich diese Lage under anderem mit Louis Jadot. 50 Jahre alte Reben, eisenhaltiger Kalkboden. Reife in 500l Tonneaux, 25% neu. Schön saftig, anfangs etwas ungestüm, braucht etwas Luft, dann filigran, präzise, kirschig, Ribisl, bissl roter Apfel.Von den Lagen am antrinkbarsten!


Volnay AOC

Lagenverschnitt von 3 Climats über 1.28 ha in Volnay, zwischen Pommard und Meursault. Wir finden etwas mehr Lehm in diesen Böden. Auch präsenterer Anteil Neuholz (30-40%) - ausschließlich 500l Tonneaux. Feine Frucht, solide Konzentration, robuste Säure, ein rustikalerer Pinot, der etwas weiter ausholt aber mit Zeit richtig scheppert.


Pommard AOC “Les Vaumuriens”

45 Jahre alte Reben, weißer Mergel, langsame Gärung in Stahl, 500l Tonneaux, 30% Neuholz. Sehr mineralisches Auftreten, tiefgehend und konzentriert, aber nicht zu schwer. Unikat.


Pommard AOC 1er Cru “Les Bertins”

1er Cru in südlichen Pommard, südlich der Stadt Beaune, Pinot-heaven. Hier wachsen auf nur 1 ha einige der ältesten Reben der Domaine. Schonend ausgebaut, Barrique und Tonneaux, 30-50% Neuholz. Wuchtig, lehmig, erdig, mit großartigem Reifepotenzial. Bissl Brombeere, gnadenlose Ribislsäure. Darf auch jünger geöffnet werden, dann aber gerne dekantieren, so macht's schon richtig Spaß.


Nuits-Saint-Georges AOC

Kalklastiger Lagenverschnitt rund um das Zuhause der Domaine, unweit dem Vosne- Romanée. 3 Climats, zusammen zirka 0.5 ha Rebfläche - eine Einzelabfüllung macht hier also wenig Sinn. Gärung in Stahl, Ausbau in nur 20% Neuholz für 16-18 Monate. Fokus liegt auf Bewahrung der Präzision und Frucht in jüngeren Jahren. Darf gerne etwas atmen, großes Glas und/oder dekantieren, dann geht das super fein auf.


Nuits-Saint-Georges AOC “Les Damodes”

Eine Höhenlage auf 320m am nördlichen Zipfel von NSG, teils im Premier Cru Bereich. Karger, steiniger Boden. Beginnt sehr eng und straff, nach langer Atempause dann extrem anmutend, erdig, kirschig - langes Reifepotenzial.


Nuits Saint Georges AOC 1er Cru “Les Vallerots”

0.77 ha, kalkdominiert, lange, entspannte Gärung, viel Zeit im Fass, bis zu 50% Neuholz. Fein, vor allem nach wohlverdienter (weiterer!) Reife, raffiniertes Zeug vom südlichen Premier Cru Bereich des NSG.


Vosne-Romanée AOC 1er Cru “Les Suchots”

Legendäres Climat am Vosne-Romanée im Norden. Auf diesem sehr gefragten Terroir arbeitet die Domaine Lescure auf nur 0.42 Hektar. Nachbarn sind Topliga-Winzer wie Lucien le Moine und Prieuré Roch. Hier kommt mehr Neuholz zum Einsatz, da das Traubenmaterial ordentlich Power hat - man spielt auf Reifepotenzial.


Clos de Vougeot AOC Grand Cru

Der Grand Cru. Eine winzige Appellation zwischen Chambolle-Musigny und Vosne- Romanée. Climat Montiotes Hautes, 0.3 ha. Bis über 70 Jahre alte Reben. Steinig, karg. Gärung im Holzbottich. Mehr Neuholz, endloses Reifepotenzial. Hier spielen Riesen mit, Leroy, Roch, Engel.

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