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Leo und Kathrin SOMMER

  • Autorenbild: Laurenz Möseler
    Laurenz Möseler
  • 5. Aug.
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Aug.

Donnerskirchen am Leithagebirge


“Als Weinhandwerker – so sehen wir uns. Wir verfolgen einen beständigen Dialog mit unseren Rebkulturen."


Mit unserem jüngsten Neuzugang zieht es uns wieder einmal ans Leithagebirge. Dieser sanfte Höhenzug trennt bekanntlich Niederösterreich vom Westufer des Neusiedlersees. Während Weingärten in Seenähe von dessen saftigeren Böden und wärmerem Mikroklima profitieren, zeigen sich die Rieden am bewaldeten Berghang im Westen als starker Kontrast.


Schauplatz Donnerskirchen. Der Boden ist auch hier noch von Riede zu Riede stark unterschiedlich geprägt. Schuld ist, wie oft in Österreich, die Tethys, das Urmeer, das vor Millionen von Jahren so manchen Hang überschwemmt und mit einer soliden Muschelkalk-Schicht zurückgelassen hat. Höhenlagen wie der Donnerskirchner Bergweingarten hielten sich über Wasser, blieben somit frei vom Leithakalk. Diese festen, kargen Schieferinseln eignen sich nicht minder für himmlische Weißweine und mächtigen Blaufränkischen!


So hegt und pflegt auch die Familie Sommer ihre Parzellen an den Hängen über Donnerskirchen seit mehreren Generationen. Und der Nachwuchs gibt richtig Gas! Leo Junior macht erst die Weinbauschule, die Weinakademie und nimmt noch ein Weinmarketing-Studium mit, bevor er im Forschungszentrum Laimburg in Südtirol selbst herumexperimentieren darf, von whole bunch bis zu schwefelfreier Vinifikation. Nach lehrreichen Auslandspraktika hat Leo über die letzten Jahre das Familienweingut übernommen, samt konsequenter Biozertifizierung. An seiner Seite steht Kathrin, Studiumkollegin aus Eisenstadt, die eher durch die Gastronomie ihren Weg zum Wein gefunden hat. Die gebürtige Wienerin wächst mit dem großem Obst- und Gemüsegarten der Familie auf, der eigenständige, naturverbundene, kreative Gedanke zieht sie in die Tourismusschule. Dort packt sie die Faszination Wein. Kathrin verbringt 10 abwechslungsreiche Jahre bei Esterhazy, bevor sie sich 2023 in den Gärten in Donnerskirchen findet.


Während sich Kathrin und Leo in ihrem überlegt zeitlosen Schaffen und ihrer unstillbaren Neugier gerne mit ein, zwei historischen pannonischen Rebsorte befassen, spielt die Hauptrolle hier ganz klar der Grüne Veltliner. Nun stutzt vielleicht noch die eine oder der andere, was denn der GV im Burgenland verloren hat. In der Bubble ist das mittlerweile wieder eine Selbstverständlichkeit, die sich Winzer und Rebsorte über die letzten 20, 30 Jahre verbissen erkämpft haben. Der Veltliner ist einfach eine DER Terroir-Rebsorten der Welt. Man erwarte hier jedoch nicht das duftig freche Weinviertler Pfefferl!


Der erste Schnupperer in unser sommerlich gekühltes Gläschen vom GV “Little Sister” (die Einstiegsdroge zum Paradewein “Salz und Rauch” und ein Understatement, finden wir), der transportiert uns direkt ins Chablis, den kleinen Wunderort für Burgunder elegantester, feinster Güte. Ähnlich wie Chardonnay entwickelt der Veltliner in den kühlen, kargen Ecken der Welt eine betörende hellgelbe Frucht, duftende Floralität und einen zitrischen Frische-Kick. Bei den Sommers bleibt der Jungwein erst ein Weilchen auf der Vollhefe im großen, uralten Akazienfass vom Großvater. Da findet der Wein eine ruhige Balance und Tiefe. Aber jetzt im Glas, da vibriert das, der erste Schluck ist wie ein kleiner Elektroschock. Im Abgang pickt die Salzzitrone am Gaumen, trocknet aus, macht gnadenlos Lust auf den nächsten Schluck. Einzigartiger Wein von großen Lagen, von tollen Menschen. Mehr wollen wir gar nicht!


RUNDOWN:


Die Handwerk-Linie.

“Zeitgemäße Handwerksweine mit komplexem Charakter. Wir lassen uns von der Natur inspirieren, damit Weine entstehen, die nuanciert und strukturiert sind. Minimale Intervention mit Freiheit gedacht.”


“Little Sister” Weiß

Grüner Veltliner, puristisch vinifiziert, die kleine Schwester des “Salz und Rauch”. Ergo eine Selektion jüngerer Reben (bis 30-jährig) die einen frecheren, saftigeren Wein bieten, zu unserer Freude behält er die typische Würze und die vibrierende, saline Spannung, die wir von Sommer so schätzen. Viel Reminiszenz an modernes, naturnahes Chablis und Sancerre. Nicht zu unterschätzen!


“Salz und Rauch” Grüner Veltliner

Eine Lobeshymne an den Leithaberg. Um am Boden zu bleiben: Das sind Sommers älteste Rebstöcke am Bergweingarten, zirka 2000 an der Zahl, 1969 ausgepflanzt, also angehende 60. Das bedeutet tief wurzelnde Reben. Auf kargem Schieferfels, ein Stückchen unter der Donnerskirchner Himmelreich. Steillage, in idealer Südwestausrichtung. Leo und Kathrin geben dem Wein im Keller eine kurzen Maischestandzeit, um den kleinen Trauben dieser alten Stöcke ihre Gänze an Struktur und Aromatik zu entziehen. Zum Ausbau genügt ein Akazienfass vom Opa, Fassung 1150 Liter. Der Salz und Rauch ruht ein Jahr auf der Vollhefe, darf durchatmen und zu sich finden. Und dann geht’s ab, mit Hochspannung!


Der Wein schießt ins hinterste Gaumeneck, er triggert die Speicheldrüsen mit einer Welle salziger Limette, Ribisl, saurem grünem Apfel. Ganz fein grünwürzig. Toll wie das haftet, kühl, mächtig. Anfangs noch reduktiv und rauchig wie ein vulkanischer Inselwein, öffnet sich dieser Veltliner mit einer wahnsinnigen Geschmackstiefe. Da ist reife gelbe Frucht, Pfirsich, Honigmelone. Eine Meursault-reminiszente, intensive Haselnussnote mit der Vollhefe, ganz feine Laktik. Wer kennt die Haselnuss-Ecken vom Pischinger? Was für ein faszinierend spaßiger Wein das ist, der meisterhaft zwischen den Größen der Weinwelt herumtänzelt und den Veltliner erneut als absolute Ausnahmerebsorte festigt.


“Little Sister” Rot

Ein kleiner Roter zwischendurch. Der Konterpart zum little Veltliner. Hier stehen wir in einem kleinen Mischsatz im Riefring Thal. Am Hang stehen Blaufränkisch und Zweigelt, weiter unten mehr Cabernet Sauvignon und Merlot. Nun ist die Idee dieses Weines vor allem eins: Leichtfüßigkeit. Frühere Lese. Zweigelt und Blaufränkisch werden als Rosé angequetscht. Die Bordelaiser werden semi karbonisch vergoren und sehr zart gepresst. Am Gaumen bleibt die Würze und Tiefe, die man vom Leithaberg möchte. Ohne Schwere.


Riesling “Handwerk”

Ausdrucksstarker Riesling vom Schiefer. Eine Selektion von Klonen aus dem Elsass und ein paar Geisenheimern. Diese Beeren sind sehr klein und konzentriert. Folglich geben sie gut Struktur, aber gar nicht so viel Frucht ab, behalten stabile Säuregerüste, ideal eigentlich für die wärmeren Parzellen am Leithaberg. Ausgebaut wird auf der Vollhefe, teils im großen, uralten Akazienfass, im Betonei, in guten Jahren darf ein Eichenfass dazu. Am Gaumen zeigt sich der Wein angespannt, salin, druckvoll, vom Fruchtprofil angenehm hell und frisch, viel Quitte, Pfirsich, weiße Ribisl.


Furmint “Handwerk”

Furmint hat sich ja längst als eine der aktuell spannendsten Rebsorten der Welt bewiesen. Die urspätreifende Traube fasziniert auch Leo und Kathrin schon lange. Kein Wunder, bei der Qualität die Kollegen wie Wenzel hier seit Jahrzehnten abliefern. Darum gedeiht heute Furmint am höheren Hang der Ried Riefring Thal. Keine Neuplantage - Gott segne die Umveredelung, das sind tief verwurzelte, 25-jährige Reben. Auf kargem, aber außreichend warmem Schiefer zeigt sich uns der “Chenin des Ostens” mit Tiefe, Fülle und filigraner Reduktion. Reif dunkelgelb, wachsig cremig, aber eben auch mit Hochspannung und Säurewumms.


Notiz: In der Ried Halser gedeiht eine neue Plantage auf Kalkstein. In 2024 reinsortig, wird hier in Zukunft verschnitten. Die 2025er Fassprobe singt bereits.


Welschriesling “Handwerk”

In dieser Abfüllung vereinen die Sommers ihre stärksten Welsch Parzellen vom Bergweingarten (Schiefer) und Halser (Kalk). Alte Reben, vom Opa gepflanzt. Ausbau in 500-600l Fässern auf der Vollhefe, plus eine leichte phenolische Stütze. Am Gaumen direkt gnadenlose Frische, dahinter fülliger Hefeschmelz, viel Zitrusaromatik, transparent und klar aber eben schon mit Extrakt und Tiefe, das ist ein packender Welsch!


Dazu gesellt sich dreierlei große Klassik vom Leithaberg.


Ried Himmelreich | Glimmerschiefer Ried Halser | Leithakalk


Ried Himmelreich Grüner Veltliner Leithaberg DAC

Eine rekultivierte Subriede der Großlage Bergweingarten, zwischen Donnerskirchen und Purbach. Ein paar steile Schritte rauf (nochmal gut 100 Meter) bildet die Himmelreich mit 1,5 Hektar die kleine Spitze der Lage, da kommen wir auf 250 Höhenmeter. Den kühlen Wald im Genick, kargen Schieferstein unterm Schuh, stehen wir auf einem Südosthang aus dem Bilderbuch. Hier wächst ausschließlich Veltliner. Ausgebaut wird im Sinne der Lagenidentität. Ganztrauben, schnell direktgepresst, klar, präzise. Ausbau in großen Eichenfässern von Stockinger für wenig Oxidation. Kein Neuholz. Die Himmelreich ist steiler und mächtiger, ihre Trauben reif, intensiv gelbfruchtig. Nachts kühlt’s ordentlich ab, so bleibt uns ein straffes Säuregerüst, mit irrer Salzigkeit.


Ried Halser Grüner Veltliner Leithaberg DAC

Die Ried Halser liegt nur einen Kilometer nordöstlich von der Himmelreich, den Berghang entlang Richtung Purbach. Der Donnerskirchner Schiefer weicht hier reinem Leithakalk, auch hier dominiert der Veltliner, mit Blaufränkisch in den unteren Reihen. 50 Jahre zählen die Reben. Ihre Beeren sind klein, die Trauben locker. Hier wird im Keller minimal auf der Maische angegoren, um mehr Textur zu entziehen. Der Jungwein landet im gebrauchten Stockinger, große Fässer bis zu 1700 Liter. Der Wein nimmt einen feinen Struktur-Umhang an, wieder haben wir diese kühle Chablis Reminiszenz, das ist wahrscheinlich der präziseste, filigranste der Lagenweine, Kalkstein durch und durch, dazu die Konzentration der alten Reben - Chapeau!


Blaufränkisch “Alte Reben” Leithaberg DAC

Quintessenz! Über die Jahre wurden mindere Qualitäten aus dieser Cuvée ausgeschlossen. Alte Stöcke der Rieden Bergweingarten, Wolfsbach und Halser bleiben. Kalk und Schiefer, eine Visitenkarte des Leithaberger Blaufränkischen. Uryptisch, dunkel, würzig, packend, sogleich erfrischend und saftig.



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