Domaine du Nozay, terres blanches de Sancerre
- Laurenz Möseler

- 5. Juni 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. März
Die Domaine du Nozay hat ihren Ursprung im gleichnamen Château de Nozay, ein malerisches Schlösschen aus dem 17. Jahrhundert in Saint Gemme en Sancerrois, im Norden des Weinbaugebiets Sancerre an der östlichen Centre-Loire. Die Böden hier sind durchzogen von Muschelkalk, lokal als Terres Blanches bekannt (= weiße Böden).

In den 70ern zogen Marie-Hélène und Baron Philippe de Benoist in das historische Château de Nozay ein. Erst Jahre zuvor erhielt Saint Gemme die Klassifizierung als nördlichster Zipfel des Sancerre AOC. Die Idee des Weinbaus rund um das historische Château erfasste die Familie Benoist und so pflanzten sie einige der ersten Sauvignon Blanc Reben der Gegend.
Diese Inspiration zum Weinbau kam allerdings nicht von irgendwo: Marie-Hélènes Familie (de Villaine) leitet seit Jahrzehnten das legendäre Kultweingut Domaine de la Romaneé-Conti und brachte dieses mit Partnern Leroy an die Spitze der Weinwelt. Hier lernten auch Marie-Hélène's und Philippe’s Söhne Cyril und Pierre ihr Handwerk – kein schlechter Start! Cyril hat sich komplett der Domaine du Nozay gewidmet, Pierre leitet die Aligoté-Spitzendomaine A. et P. de Villaine in Bouzeron.
Seit 2011 hat sich auch die biodynamische Überzeugung der Familie (Erinnerung – DRC arbeiten rein biodynamisch!) in den Weingärten in Saint Gemme durchgesetzt – 100% Demeter-Zertifikation. In den Weingärten wird somit sehr schonend gearbeitet, keine Herbizide, Pestizide und was-sonst-izide, die Reben bekommen alles, was sie brauchen von natürlichen Präperaten und Dünger, Kuhmist, Kräutertees, et cetera! Im Keller setzt man vor allem auf Finesse und Klarheit, Ausbau in Ton und Edelstahltank, ohne Beigabe von Hefen oder überflüssigen Zusatzstoffen. Volle Terroir-Power also. Genau wie’s uns gefällt.
Die Weine:
Sancerre “La Maratre”
Eine “jüngere” Einzellage der Domaine, die Reben sind hier knapp über 20 Jahre alt. Rein im Edelstahlfass ausgebaut. Der resultierende Wein ist super feingliedrig, mit präziser Säure und klarer Sortentypizität. Feine Frucht und florale Anklänge tänzeln mit Sancerre-typischer Mineralität.
Sancerre “La Plante Froide”
Eine von Kalkmergel durchzogene Parzelle aus den 80ern. Ausbau im Edelstahl, teils Terrakotta. “Fraîcheur et vivacité” - Tatsächlich kommt das “kühle Gewächs” genau so daher, extrem karg, raffiniert und feingliedrig. Chablis geht durch den Kopf, Salz, Hefe, viel Grip, durch den Tonanteil im Ausbau auch etwas robuster.
Sancerre “Clos du Nozay”
Das Aushängeschild der Domaine, die extrem kalkige Steillage, Clos “Le Nozay”. 47-jährige Reben, Ausbau nur in Ton, für eine minimale Mikro-oxi (ähnlich dem Holzausbau, aber ohne dessen aromatischen Einfluss!). Hierdurch entfaltet der Clos du Nozay einen besonders klaren Sauvignon-Charakter, viel Stachelbeere, Limette, Birne - gepaart mit diesem karg-kalkigen Zug und Hefespiel, Sancerre, durchgespielt!
Sowie, Achtung Newcomer!: Sancerre Rouge
Eine kleine Fläche des Sancerre ist mit Pinot Noir bestockt. Typisch zeigt sich die Traube hier kühler, feiner und nach leichter Extraktion spaßig, fruchtig, verspielt. Wir freuen uns sehr, nun Cyrils Interpretation von Sancerrois Pinot in der Hand zu haben. Die Trauben kommen aus einem kleinen Teil der 50 Jahre alten Hauslage "Chateau du Nozay". Streng selektiert, entrappt, teils als ganze Beeren angegoren. Rein in Terracotta und Stahl natürlich. Nach langsamer natürlichen Gärung und Holzpresse wird der Rotwein 10 Monate in Stahl und, einmalig hier auch im Eichenfass ausgebaut.
Schon beeindruckend was das an Komplexität hat, für einen so authentisch verspielten Pinot. Farblich und auch ob der Duftigkeit denkt man an die Leichtgewichte des Jura, den würzigen Trousseau. Am Gaumen dann glasklare Pinot Frucht mit würziger Tiefe. Trinkt sich von selbst.













