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AR.PE.PE. - Nebbiolo von den Valtellina Alpen

  • Autorenbild: Laurenz Möseler
    Laurenz Möseler
  • 17. Sept. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Jan.

Imposante Terrassenweingärten prägen die Granithänge dieses Gletschertals. Tausende Kilometer an von Meschenhand errichteten Steinmauern durchziehen und stützen den steilen, südlich ausgerichteten rätischen Hang, ein Mosaik, eine Verbindung zwischen Mensch und Natur, das größte terrassierte Weinbaugebiet Italiens. AR.PE.PE. - Dahinter steckt die Winzerfamilie Pelizzatti Perego in Sondrio, inmitten des Valtellina-Tals in der nördlichen Lombardei, wo in fünfter Generation Valtellina DOCG der Top-Liga heranwächst. Vater Arturo war hier nicht nur Wegweiser, sondern mit seinem Akronym auch Namensgeber.


Familie Pelizzatti Perego Standing infront of the winery
Familie Pelizzatti Perego

Die Familie bewirtschaftet 13 Hektar der im Valtellina als "Chiavennasca" bekannten roten Traube, die international als Nebbiolo längst Kult-Status als "König der Weine" erreicht hat, eine ersuchte Rebsorte, global zu nur 6.000 Hektar ausgepflanzt. Vergleichswert: Sangiovese findet man auf über 70.000 Hektar.

Was die Familie Pelizzatti Perego über 5 Generationen an Arbeit mit der Nebbiolo Traube erlernt hat, ist wohl Geduld. Auch die Nachwuchsgeneration schwört auf traditionelle Prinzipien: Es wird rein händisch gearbeitet, im Gleichgewicht mit der Natur und dem einzigartigen Terroir. Innovation ja, aber keine kurzlebigen Trends im fast fashion Stil - vielmehr der Versuch von Perfektion ursprünglicher Traditionen. Dem Wein wird die Zeit gegeben, die er braucht. Heißt, nach langer, sanfter Mazeration ruhen die Weine bis zu 5 Jahre in großem Holz , Beton und Stahl, bis sie, im Rhytmus der Mondphasen, abgefüllt werden. Dann noch mehr Ruhe, in der Flasche. Das Ziel von AR.PE.PE. ist ein puristischer, unverfälschter Nebbiolo der Veltliner Alpen, ein Terroirbotschafter, der unter den Großen mitspielt.

Aber wie schmeckt so ein Alpen-Nebbiolo? Glücklicherweise bringen AR.PE.PE von ihren Superiore Gebieten Sassella, Grumello und Inferno nicht nur Weine auf die Flasche, die erst ein Jahrzehnt im Keller vergessen werden wollen, um trinkreif zu sein.


Man trägt weintrauben
Im Weingarten

"Rosso di Valtellina" nennt sich der Bassiswein des Weingut, eine Cuvée der durchschnittlich 50 Jahre alten Nebbiolo-Reben von Terrassen auf 350-600m Höhe. Nach 2 Monaten auf der Maische und einem halben Jahr in Fass und Beton wird dem Wein noch ein Jahr der Selbstfindung auf der Flasche gegönnt, bevor er in unsere Hände gelangt. Das ist der frischeste Stoff des Weinguts, er zeigt sich schon in der Jugend wahnsinnig fein. Wir lieben diese strahlende Farbe, den Duft von frischer roter Frucht, diese charmant elegante Präsenz auf dem Gaumen, ganz feine Tanninstruktur, super Säure, Trinkfluss pur, auch bei 13.5%. Top Speisenbegleiter, auch im Sommer, da umso wichtiger: gut ankühlen!

"Pettirosso", Rotkehlchen nennt sich der große Bruder des Rosso. Das ist der Einstieg in die Superiore DOCG Weine, mit strengen Produktionsrichtlinien vom Weingarten bis zur Fass- und Flaschenreife (min. 2 Jahre). Ein Verschnitt der Valtellina Superiore Lagen Sassella, Grumello und Inferno. Der Name ist einem tatsächlichen Rotkehlchen gewidmet, welches im Jahr '97 auf ein undichtes Fass aufmerksam machte. Über 100 Tage verbringt diese Cuvée auf der Maische, wo ihm diese komplexe Struktur und Tiefgründigkeit bereits in die Wiege gelegt werden. Nach einer gesunden Fass- und Flaschenruhe zeigt sich das ganze elegant rotfruchtig und balanciert, aber auch so richtig schön würzig, Richtung Sternanis, Piment, Nelken.

Auf DOCG Niveau finden wir nun noch die Lagenabfüllungen des Weinguts, die in ausgewählten Jahren als Riserva ausgebaut werden und gerne viele Jahre im Felsenkeller der Familie Pelizzatti Perrego verbringen, bevor sie vollendet sind.

Sassella "Stella Retica": Der rätische Stern, das Alpenblümchen Edelweiß ist hier Aushängeschild dieser kühlen Parzellen auf 400-600 Meter Höhe. Nach 100 Tagen sanften Maischekontakts im 5000l Kastanienfass reift der Wein ein Jahr darin sowie im Beton, danach ein weiteres auf der Flasche. Der aktuelle Jahrgang ist explosiv duftend, floral, randvoll mit roter Kirsche und hellen Beeren. Am Gaumen wird dieses Spaßgetränk von einem charmant feinen Körper getragen, das hat Länge und Tiefe, Nebbiolo durch und durch, aber dermaßen glasklar bekommt man ihn selten zu probieren. Alpin!


Der Inferno "Fiamme Antiche" repräsentiert die brühenden Granitböden dieser Südlage nahe Poggiridenti. Im Glas legt der Inferno einen Ticken an Fülle zu, die Frucht wird etwas voller und klarer, weniger duftend und verspielt als der Sassella, konzentrierter eben. Gleichzeitig fehlt es dem Wein null an Frische und Zug. Eine spannende Einzelabfüllung die wunderbar die Einzigartigkeit dieser Lage zeigt.


Es geht noch eine Stufe höher, zu den Parzellenabfüllungen wie dem Grumella Riserva "Buon Consiglio". Dieser wächst auf etwas tiefer liegenden Terrassen von zirka 400m Höhe, welche in der Regel bereits etwas früher gelesen werden. Umso länger wird den Trauben im Keller Zeit gelassen, 3-monatige Mazeration, 3 Jahre im Fass, dann Flaschenreife, 2016 hier der aktuelle Jahrgang, hat eine wahnsinnige Würzigkeit.

Der Sassella Riserva "Ultimi Raggi" tankt bis in den November noch die "letzten Strahlen" der Sonne, bevor die leicht getrockneten Beeren in den Keller gelangen, wo über 39 Monate im Fass ein komplett trockener, dafür umso konzentrierter und tieferer Nebbiolo entsteht. Umami!


Trauben transport, Weingarten
Trauben transport

Mit dem Sassella Riserva "Rocce Rosse" trinkt man sich so richtig in die Philosophie des Weingutes ein... Arturo hatte diese Parzellen im Herzen Sassellas in den 80ern komplett neu bepflanzt, den Name haben sie dem hohen Eisenvorkommen gewidmet. Rocce Rosse erscheint beinahe Pinot-artig, ist aber einfach ein super puristischer, ursprünglicher, selbstbewusster Ausdruck seiner Herkunft... Valtellina Grand Cru eben, oder doch einfach Sassella Riserva, wir wollen das gar nicht anders nennen! Die Trauben werden hier übrigens per eigens installierter Seilbahn zum Keller im Tal transportiert. :)

P.S.: Trinkempfehlung von AR.PE.PE. ist durch die Bank bei ~15°C.

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